Auf Initiative der ÖJHV-Landesgruppe Wien haben sich Vertreter:innen der Wiener Jugendherbergen mit NSTS, dem maltesischen Mitglied von Hostelling International, zu einem Arbeitsgespräch getroffen. Auf der Agenda standen zwei Themen, die das Jugendherbergswesen in den kommenden Jahren prägen werden: Bildungsangebote und Digitalisierung.
Die Landesgruppe Wien arbeitet derzeit an ihrer strategischen Ausrichtung für die nächsten Jahre. Dazu gehört der Blick über die Grenzen. Im Rahmen ihrer Strategieklausur hat eine Delegation in Malta die Häuser von NSTS besucht und sich mit dem dortigen Team ausgetauscht. Es war ein Gespräch unter Partnern, die vor ähnlichen Fragen stehen und dafür unterschiedliche Antworten gefunden haben.
Auf der Agenda in Malta: Bildung als zweites Standbein
NSTS verbindet seine Unterkünfte mit einer eigenen Sprachschule. Junge Menschen aus aller Welt kommen für Englischkurse, Praktika oder Bildungswochen nach Malta und wohnen in den Häusern der Organisation. Unterkunft, Unterricht und Rahmenprogramm kommen aus einer Hand. Das hat Folgen für den Betrieb: Die Gäste bleiben länger, die Nachfrage verteilt sich über das ganze Jahr, und die Häuser sind weniger von der Saison abhängig. Für eine gemeinnützige Organisation ist das eine solide Grundlage, um leistbare Preise, gute Häuser und gute Arbeitsbedingungen dauerhaft zu sichern.
Auf der Agenda in Wien: Digitalisierung, die Mitarbeiter:innen entlastet
Die Wiener Delegation stellte ihrerseits vor, woran in der Landesgruppe gearbeitet wird. Im Mittelpunkt stehen die Abläufe im Haus. Web-Check-in, digitale Kommunikation vor und während des Aufenthalts und ein verantwortungsvoller Einsatz von KI sollen den Kolleg:innen an der Rezeption und in der Verwaltung Routinearbeit abnehmen. Ersetzt wird dadurch niemand. Den Mitarbeiter:innen bleibt mehr Zeit für das, was eine Jugendherberge von einem Budgethotel unterscheidet: die persönliche Betreuung der Gäste.
„Gemeinnützig heißt nicht altmodisch“, sagt Sumit Kumar, Präsident der ÖJHV-Landesgruppe Wien. „Digitalisierung ist für uns kein Sparprogramm. Sie soll unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlasten, damit sie Zeit für das haben, wofür sie diesen Beruf gewählt haben: für die Gäste.“
Was beide Seiten voneinander lernen
Der Austausch hat gezeigt, wie gut sich die beiden Ansätze ergänzen. Von Malta nimmt Wien mit, wie sich Beherbergung und Bildung zu einem Angebot verbinden lassen und wie internationale Zielgruppen dafür gewonnen werden. Wien wiederum bringt seine Erfahrung mit digitalen Prozessen ein, die den Betrieb effizienter machen und zugleich die Beschäftigten entlasten. Für beide Organisationen gilt dieselbe Maxime: Man muss gute Lösungen nicht zweimal erfinden, sie müssen aber zum eigenen Haus und zu den eigenen Gästen passen.
Wien und Malta wollen den Dialog fortsetzen. Sie wollen ausloten, wie sich die Mobilität junger Menschen zwischen den beiden Ländern fördern lässt, etwa durch gemeinsame Bildungs- und Austauschprogramme. Das weltweite Netzwerk von Hostelling International bietet dafür den Rahmen.
Ein klarer Kurs für Wien
Für die Landesgruppe Wien ist der Besuch Teil eines größeren Vorhabens. Die Wiener Jugendherbergen sollen Orte bleiben, an denen junge Menschen leistbar übernachten. Darüber hinaus sollen sie Orte werden, an denen Bildung, Begegnung und internationale Zusammenarbeit selbstverständlich sind. Dazu gehören moderne Abläufe, starke Partner und Angebote, die über die Übernachtung hinausgehen.
„Wer mit achtzehn ein Zimmer mit jemandem aus einem anderen Land geteilt hat, redet mit dreißig anders über Europa“, so Kumar. „Das ist der Wert unserer Arbeit – und er steht in keiner Bilanz. Deshalb ist es so wichtig, das Jugendherbergswesen nicht nur zu erhalten, sondern weiter auszubauen: mit mehr Angeboten, mehr Partnern und Häusern, die jungen Menschen offenstehen.“




